Was verursacht Rückenschmerzen – Wo hilft der Ergotherapeut und wo der Physiotherapeut

Rückenschmerzen und ihre Ursachen – so kann der Ergotherapeut helfen!

Was verursacht Rückenschmerzen - Wo hilft der Ergotherapeut und wo der PhysiotherapeutLaut aktuellen Erhebungen von Krankenkassen wie der DAK, leiden mindestens 75 % aller berufstätigen Deutschen unter Rückenproblemen. Die damit verbundenen Schmerzen sind ein Symptom, das viele Ursachen haben kann. In der Tendenz scheinen Rückenleiden eher zuzunehmen, was auch die therapeutischen Behandlungsansätze in den Fokus rückt.

Ergotherapeuten und Physiotherapeuten sind zwei wichtige Behandlergruppen bei Rückenschmerz. In diesem Beitrag geht es um die Fragen, wo Ergo im Vergleich mit Physio als Behandlung ansetzt und ob diese Therapie möglicherweise leichter zu den Ursachen des Volksleidens Kreuzschmerz vordringen kann.

Reicht physiofit oder bringt ergofit mehr?

Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Es ist eine der großen Herausforderungen in der Behandlung Rücken- oder Kreuzschmerzen, dass in den meisten Fällen keine eindeutige Ursache für die Beschwerden festgestellt werden kann. In Betracht kommen viele Möglichkeiten wie unter anderem

  • Defekte an Wirbeln.
  • Quetschungen von Nerven.
  • anatomische Fehlstellungen der Wirbelsäule.
  • Arthrose.
  • entzündliche Erkrankungen wie Rheuma.
  • Fehl- und Schonhaltungen.
  • einseitige Belastungen zum Beispiel durch eine überwiegend sitzende Tätigkeit.
  • untrainierte Muskulatur durch zu wenig Bewegung.
  • Übergewicht.
  • Stress.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Studien (siehe zum Beispiel hier). konnte im letzten Jahrzehnt beispielsweise den Zusammenhang zwischen chronischem Schmerzen im Rückenbereich und Stress aufzeigen.

Stress ist dabei für sich genommen ein schwer fassbares Symptombild, das eng mit dem Lebensstil, mit Arbeitsbedingungen, den psychischen Voraussetzungen eines Menschen und weiteren Faktoren verknüpft ist. Das, was wir als negativen Stress bezeichnen, lässt sich ebenso wie die Rückenbeschwerden selbst nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.

Folgerichtig müsste ein erfolgversprechender Behandlungsansatz für den Rücken auch in den Bereichen ansetzen, in denen es um die Art des Handelns, Arbeitens und Lebens eines Menschen geht.

Welcher Behandlungsansatz ist besser: Ergotherapie oder Physiotherapie?

Laien machen in der therapeutischen Praxis häufig für sich keinen Unterschied zwischen ergotherapeutischen und physiotherapeutischen Ansätzen. Das mag daran liegen, dass in der therapeutischen Praxis beide Therapierichtungen oft miteinander kombiniert werden. Von ihren grundlegenden Konzepten unterscheiden sich aber beide Therapien.

Physiotherapeutisch zielt der Behandler auf die Wiederherstellung und den Erhalt natürlicher Bewegungen und Funktionen ab. Dagegen geht der Ergotherapeut noch etwas weiter. Er will nicht nur körperliche Funktionen wiederherstellen und erhalten, sondern für den Patienten auch dessen Handlungsfähigkeit selbst bei Verlust einzelner Funktionen wiederherstellen.

Die ergotherapeutische Betrachtung ist deshalb ganzheitlicher und umfasst auch die allgemeinen Lebensbedingungen, den Lebensstil und die weiteren Voraussetzungen eines Patienten. Die Unterschiede lassen sich gut an einem praktischen Beispiel erkennen:

Ist die Hand eines Patienten nach einer Operation in der Bewegung eingeschränkt oder gelähmt, wird der Behandler physiotherapeutisch darauf hinarbeiten, die Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen. Dazu setzt er beispielsweise Massagen, Übungen und vielleicht auch weitere therapeutische Geräte wie Reizstrom ein. Es geht ihm um die Funktionsfähigkeit der Hand.

Ergotherapeutisch setzt ein Behandler an einer weiteren Stelle an. Er beobachtet, dass der Patient mit der in der Bewegung eingeschränkten Hand nicht essen kann. Seine Arbeit zielt deshalb darauf ab, den Patienten zu befähigen, mit der Hand wieder essen zu können. Selbständig essen gehört hier in der ganzheitlichen Betrachtung zu einem selbständigen Leben.

Dieses selbständige Leben will der Ergotherapeut für den Patienten so weit wie möglich sichern. Mit anderen Worten ausgedrückt, geht es im Bereich der Ergotherapie auch um die gesamte die Handlungsfähigkeit eines Patienten und nicht nur um die Funktion eines Körperteils.

Die Selbstverantwortung und Handlungsfähigkeit stärken

Der Ergotherapeut hilft Patienten auch dabei, verloren gegangene Fähigkeiten beispielsweise durch Hilfsmittel zu kompensieren. Bleibt beispielsweise ein Wirbel im unteren Rückenbereich steif, können Sitzerhöhungen, eine verstellbare Matratze im Bett und viele weitere Hilfsmittel dazu beitragen, weiterhin motorisch aktiv und handlungsfähig zu bleiben. Hier gibts mehr Informationen zum Thema Rückenschmerzen und Matratze.

Zum anderen betrachten Ergotherapeuten die möglichen Ursachen von Beschwerden, die beispielsweise in einem bestimmten Lebensstil, Fehlhaltungen und anderen Umständen liegen können. Hier setzt der Ergotherapeut an, um bestimmte Muster und Fehlhaltungen aufzulösen. Der ergotherapeutische Behandlungsansatz kann einen vorbeugenden Charakter haben.

Typische Bewegungsabläufe wiederherstellen

Rückenschmerzen: Ergotherapie oder PhysiotherapieDer Physiotherapeut versucht, eine eingeschränkte Körperfunktion mithilfe von passiven und aktiven Maßnahmen mit dem Patienten zusammen wiederherzustellen. Die Arbeit des Physiotherapeuten kann deshalb ergotherapeutischen Behandlungen vorausgehen, wenn es zunächst um die Wiederherstellung der Beweglichkeit im Rücken geht. Vielfach kommt Physiotherapie parallel zur Ergotherapie zur Anwendung.

Die Therapieansätze schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander. Das ist gerade bei Rückenschmerzen mit den vielen Faktoren, die darauf einwirken können, sinnvoll. Von einer anderen Seite her betrachtet, wird der Physiotherapeut eher in akuten Fällen tätig, der Ergotherapeut bei chronischen Beschwerden mit möglicherweise auch nicht mehr rückgängig zu machenden Einschränkungen einzelner Körperfunktionen.

Tiefer zu den Ursachen vordringen mit einer ganzheitlichen Betrachtung

Wie beschrieben ist der Rückenschmerz nur ein Symptom. Viele Faktoren können ursächlich für ihn sein. Werden Rückenschmerzen chronisch, indem sie immer wieder auftreten oder anhalten, können Therapeuten mit Ergo eventuell tiefer zu den Ursachen vordringen als mit Physio. Sie können beispielsweise dem Patienten dabei helfen, seinen Lebensstil mit einer überwiegenden sitzenden Tätigkeit zu hinterfragen, an Stressreduktion zu arbeiten und auf beeinflussbare Faktoren in der Umwelt aktiv einzuwirken.

Hier kann der Ergotherapeut dabei helfen, die Muster in der Psyche und im Lebensstil zu identifizieren, die sich hinter Rückenproblemen verbergen können. Der ergotherapeutische Ansatz öffnet andere Perspektiven und einen anderen Blickwinkel, um das Rückenleiden anzugehen und weiteren akuten Schüben von Kreuzschmerz vorzubeugen. Er kann deshalb in chronischen Fällen besser geeignet sein, um Rückenprobleme an der Wurzel zu packen. Auch ermöglicht er es, Patienten wieder ins Handeln zu bringen.

Bei Schmerzen am Rücken ist es häufig ein großes Problem, dass sich Betroffene als Opfer empfinden und in eine passive Rolle rutschen. Dies verschlechtert die psychische Befindlichkeit im
Zusammenhang mit Kreuzschmerzen und kann sogar zu Depressionen führen. Ergofit bezeichnet einen Menschen, der trotz möglicher körperlicher Einschränkungen handlungsfähig und aktiv ist. Bei chronischem Rückenschmerz und seinen Ursachen kann der Ergotherapeut deshalb meist noch einige Schritte weiterhelfen als der Physiotherapeut.

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