Die Aufgaben eines Ergotherapeuten im Pflegeumfeld

Die Aufgaben eines Ergotherapeuten im PflegeumfeldWird man nach einem Schlaganfall pflegebedürftig, spielen nicht nur unterstützende Maßnahmen zur Körperpflege eine Rolle. Weil solche Ereignisse oftmals unangenehme Folgen nach sich ziehen, wie etwa kognitive Einschränkungen, ist ein ganzheitlicher Ansatz wichtig. Diesen verfolgt der Ergotherapeut. Dank einer fundierten Ausbildung, können Ergotherapeuten auch im Pflegeumfeld einen wichtigen Beitrag leisten. Wir zeigen, wie dieser aussehen kann.

Warum sind Ergotherapeuten im Pflegebereich wichtig?

Ob häusliche bzw. ambulante Pflege oder Betreuung in einem Senioren- und Pflegeheim – Pflegefachkräfte stehen hilfsbedürftigen Menschen mit ihrem fachlichen Know-how zur Seite. Sie helfen bei der Körperpflege, der Nahrungsaufnahme und der Medikamentengabe. Eine Ausbildung zur Pflegefachfrau schafft also die Grundlage, um pflegebedürftige Menschen bestmöglich versorgen zu können. Damit irgendwann auch der Zeitpunkt kommt, an dem der Patient dazu in der Lage ist, sich mehr und mehr wieder selbst im Alltag zurecht zu finden, ist eine begleitende Unterstützung durch einen Ergotherapeuten sinnvoll. In immer mehr Senioren- und Pflegeheimen lassen sich deswegen ergotherapeutische Angebote finden.

Während der Ausbildung zum Ergotherapeuten lernt man, Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Verletzung im Alltag eingeschränkt sind, wieder mehr Selbständigkeit zurückzugeben. Je nach gewähltem Behandlungsschwerpunkt kann das auch bedeuten, in der Geriatrie zu arbeiten, etwa in einem Pflegeheim. Hier hilft der Ergotherapeut dabei, die Patienten wieder fitter zu machen, ihnen mehr Freude am Leben zu vermitteln und ihnen insgesamt eine bessere Lebensqualität im Heim zu ermöglichen. Auch die Arbeit mit Demenzkranken spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Ergotherapeuten verfügen über das nötige Einfühlungsvermögen, um Demenzkranken ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Dazu gehört auch, Angehörige zu entlasten und ihnen zu zeigen, wie sie mit der Krankheit ihrer Liebsten umgehen können. Darüber hinaus tragen Ergotherapeuten zur Sturzprophylaxe pflegebedürftiger Menschen bei, unterstützen mit kognitiven Trainings und helfen dabei, Selbständigkeit zu fördern sowie zu erhalten.

Diese Ziele verfolgt die Ergotherapie im pflegerischen Umfeld

Wie Wissenschaftler im Health Technology Assessment-Bericht (HTA-Bericht) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) berichten, wirkt sich Ergotherapie positiv bei Demenz aus. Aber auch bei anderen Krankheiten und Einschränkungen können ausgebildete Ergotherapeuten dabei helfen, motorische, kognitive und soziale Fähigkeiten ihrer Patienten zu erhalten oder dazu beitragen, dass ihre Patienten diese Fähigkeiten wieder erlangen.

Laut Etymologie leisten Ergotherapeuten wortwörtlich „Arbeit“ oder vollbringen „Werke“ (altgriechisch „ergon“ = „Arbeit, Werk“) an ihren Patienten. Somit steht bei der Ergotherapie die menschliche Handlungsfähigkeit im Fokus. Das kann je nach Patient unterschiedliche Bedeutungen haben. Hier einige Beispiele:

Ziele in Abhängigkeit des Tätigkeitsschwerpunkts

Innerhalb des jeweiligen Tätigkeitsfeldes gibt es unterschiedliche ergotherapeutische Ziele. Während bei der Unfallchirurgie und der Orthopädie das Einüben entlastender Bewegungsabläufe im Vordergrund steht, sollen in der Geriatrie drohender Abhängigkeit und Isolation entgegengewirkt werden. Nachfolgend zeigen wir, welche Ziele bei pflegebedürftigen Menschen wichtig sind:

  • Ermöglichung von schmerzarmen Bewegungen mittels Einstudierung entlastender Bewegungsabläufe
  • Umtrainieren und Erweitern des Bewegungsausmaßes
  • Wiedererlangung körperlicher, geistiger und sozialer Selbständigkeit
  • drohender Abhängigkeit und Isolation entgegenwirken
  • Verbesserung von Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit
  • Förderung noch vorhandener geistiger und körperlicher Fähigkeiten
  • Weckung neuer Interessen
  • Vermeidung von Folgeschäden der Krankheit sowie deren Fortschreiten
  • Training von sensorischen und motorischen Fähigkeiten
  • Training von Wahrnehmung, Körperbewusstsein und Orientierung
  • Förderung von Konzentration und Merkfähigkeit

Wie geht der Ergotherapeut vor?

Die Ergotherapie-Ausbildung erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren. Nach dieser Zeit haben Ergotherapeuten die Möglichkeiten, mittels verschiedener Weiterbildungen Schwerpunkte ihrer Arbeit zu legen. Den passenden Job finden kann mit ein wenig Aufwand verbunden sein, schließlich stehen Ergotherapeuten zahlreiche Einsatzgebiete zur Verfügung. Neben Stellenangeboten in der Unfallchirurgie und Orthopädie gibt es auch die Möglichkeit, in den Bereichen Neurologie, Geriatrie, Pädiatrie oder Psychiatrie zu arbeiten.

Unabhängig vom Einsatzbereich geht der Ergotherapeut bei einem neuen Patienten immer nach dem gleichen Schema vor:

  1. Kontaktaufnahme: Vertrauensbasis zum Patienten schaffen
  2. Datensammlung und Befunderhebung: Feststellung von Art und Ausmaß der Einschränkungen auf allen Ebenen; Feststellung innerer und äußerer Ressourcen; Erfassung von Biografie, Persönlichkeit, sozialer Situation, Werten, Wünschen, Bedürfnissen und Zielen
  3. Zielformulierung: z.B. Erhalt, Verbesserung und Wiedererlangung allgemeiner motorischer Funktionen, kognitiver Fähigkeiten, Körperwahrnehmung und psychischer Stabilität
  4. Behandlungsplan und Therapiedurchführung: Aufspaltung der grob formulierten Ziele in kleine, überprüfbare Unterziele; je nach gewähltem Therapieschwerpunkt werden Methoden, Mittel, Zeitpunkt, Dauer und Häufigkeit der Therapie festgelegt
  5. Evaluation und Reflexion: Überprüfung von Planung, Durchführung und Gelingen des Therapieangebots, ggf. Anpassung

Wie sieht der Alltag eines Ergotherapeuten aus?

Ergotherapeuten stehen verschiedene Arbeitsplätze zur Verfügung. Abhängig von eigenen Interessen und gewähltem Schwerpunkt, kann dies bedeuten, in einem Seniorenheim, einem Pflegeheim, in Tages- oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung, in Sonderschulen, in Frühförderzentren, in einem Krankenhaus, einer Rehabilitationsklinik, in einem Gesundheitszentrum, auf einer Sozialstation oder in einer Ergotherapie-Praxis zu arbeiten. Weil man je nach Arbeitsplatz auf Patienten mit unterschiedlichen Krankheits- und Beschwerdebildern trifft, gleicht kein Tag dem anderen. Entsprechend unterschiedlich kann der Arbeitsalltag im Vergleich verschiedener Ergotherapeuten sein.

Abhängig von Diagnose, Erkrankung und Arbeitsschwerpunkt kommen folgende Aufgaben und Tätigkeiten infrage:

  • Durchführung von Wasch- und Anziehtraining
  • Gelenkmobilisation
  • Muskeltraining
  • Koordinationstraining
  • Gelenkschutztraining
  • Haushaltstraining
  • Erprobung und Adaption notwendiger Hilfsmittel (z.B. Prothesen)
  • Anwendung von Mal- und Drucktechniken
  • Anleitung und Begleitung bei handwerklichen und industriellen Fertigungstechniken
  • Förderung affektiver und emotionaler Fähigkeiten von Patienten

Diese Arbeitsmittel unterstützen die Ergotherapie

Besonders wichtig in der Ergotherapie ist, immer ein individuelles Behandlungskonzept zu erstellen. Wie dieses aussieht, hängt von den Bedürfnissen des Patienten ab. Neben Gesprächen, die einen hohen Stellenwert haben und dabei helfen, den bisherigen Therapieerfolg festzuhalten, ist auch der Einsatz spezieller Arbeitsmittel möglich. Wir zeigen, wann welche Hilfsmittel sinnvoll sind.

  • Mal- und Bastelmaterial: Förderung von fein- und grobmotorischer Entwicklung
  • Turngeräte wie z.B. Trampoline: Förderung von fein- und grobmotorischer Entwicklung
  • Gymnastikbälle: Förderung der Mobilisation
  • Musikinstrumente/Musikaufnahmen: Förderung der Sinneswahrnehmung
  • Arbeiten mit Holz, Ton, Leder oder Metall: Durchführung gestalterischer und handwerklicher Arbeiten zur Stärkung von Selbstwertgefühl, Grobmotorik und Feinmotorik
  • Teller, Tassen, Messer, Gabeln: Neuerlernung von Handgriffen nach Unfällen und bei Krankheiten

Tipp: Mehr auch im Beitrag zum Pflegegrad.

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