Bobath-Konzept in der Ergotherapie

Bobath Konzept in der ErgotherapieDas Bobath-Konzept ist eine Behandlungsmethode, die in der Ergotherapie, der Physiotherapie, der Logopädie und von Pflegekräften angewendet wird. Sie beruht auf der Annahme, dass gesunde Hirnregionen die Aufgaben kranker oder zerstörter Regionen neu erlernen und ausführen können. Dazu werden Bewegungssequenzen durch ständiges Wiederholen wieder antrainiert.

Die Begründer des Bobath-Konzept sind das Ehepaar Berta und Dr. Karel Bobath, Physiotherapeutin und Arzt in der Neurologie und Pädiatrie. Die Entwicklung der Therapie begann bereits 1943. Berta Bobath erkannte, dass die Eigenspannung der Skelettmuskulatur durch bestimmte Bewegungen und Lagerungen nachließ oder sogar verschwand. Ihr Mann widersprach den Überlegungen seiner Frau zunächst, stellte dann aber aufgrund eigener Studien fest, dass sie Recht hatte. Gemeinsam gründeten sie 1951 in London das Western Cerebral Palsy Centre, eine private Praxis für die Behandlung und Ausbildung nach dem Bobath-Konzept. Sie bezeichneten ihre Arbeitsweise ausdrücklich als Konzept, dennoch wird sie heute vielfach als Bobath-Therapie bezeichnet.

Behandlungsfelder der Bobath-Therapie

Mit der Bobath-Therapie werden Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen des Zentralnervensystems behandelt. Dazu gehören Bewegungsstörungen, Störungen der Umsetzung von Sinneseindrücken in Bewegungen und neurologische Krankheitsbilder, wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Erkrankungen des Rückenmarks, Hirnhautentzündung, Hirntumore, Parkinson und ähnliches. Spezielle Beeinträchtigungen sind die vollständige oder teilweise Lähmung eines Körperteils, unkontrollierte niedrige Körperanspannung (schlaffe Lähmung) oder zu hohe Spannung (Spastik), Haltungs-, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen und Störungen der eigenen Körperwahrnehmung.

Inhalte und Ziele

Das Bobath-Konzept soll den Patienten helfen, wieder die Kontrolle über die Muskelspannung und die Bewegungsfunktionen zu erarbeiten. Physiologische Bewegungsabläufe anzubahnen und die Regulation der Muskelspannung sind die Arbeitsweise dieser Therapieform. Für jeden Patienten wird ein individuelles Konzept erarbeitet. Dazu gehört im Voraus eine genaue Analyse der Probleme, Ressourcen und Ziele, danach werden dem Betroffenen Lernangebote wiederholt und gezielt gezeigt. Dazu gehören unter anderem die Lagerung (zur Vermeidung bzw. Hemmung der Spastik), die Bewegungsanbahnung und das Selbsthilfetraining. Verloren gegangene sensomotorische Funktionen, wie das Gehen oder das Anziehen von Kleidungsstücken, sollen wieder erlernt und die Wahrnehmung des eigenen Körpers soll wieder normalisiert werden.

Gleichförmiges Wiederholen und schematisiertes Arbeiten mit immer denselben Übungen ist nicht der Sinn des Bobath-Konzepts.

Zeitpunkt für eine Behandlung nach dem Bobath-Konzept

Die Behandlung und die Pflege nach der Bobath-Therapie bei hirngeschädigten Patienten sollten so früh wie möglich beginnen. Dadurch wird verhindert, dass sich falsche und unnötige Bewegungsabläufe erst angewöhnt werden. Patienten, die sofort nach dem Eintreten der Schädigung des Zentralnervensystems mit dieser Therapie behandelt werden, haben wesentlich bessere Chancen auf eine Rehabilitation. Dazu muss das gesamte therapeutische Team zusammenarbeiten, zu dem neben den Physio- und Ergotherapeuten vor allem auch die Krankenpfleger/innen gehören.

Behandlungskonzepte

Das Wichtigste beim Bobath-Konzept ist, dass sie sich rund um die Uhr mit den Patienten beschäftigt. Die Lernangebote müssen ständig richtig gestaltet werden, um falsche Lernstrategien zu verhindern. Dazu sollte jeder, der mit dem Betroffenen zu tun hat, sich nach dessen individuellen Konzept richten. Dem Gehirn muss ein gleichartiges und nicht widersprüchliches Lernangebot geboten werden.

Ein Schwerpunkt des Bobath-Konzepts in der Pflege ist zum einen die Lagerung, die gerade in der Akutphase ein wichtiger Bestandteil im Tagesablauf des Patienten ist. Durch eine fachlich richtige Lagerung können Fehlhaltungen und einseitige Belastungen vermieden werden. Durch verschiedene Lagerungspositionen spürt der Patient Druck an den unterschiedlichen Stellen, und kann sich so besser spüren. Bei der Mobilisation ist die richtige therapeutische Handhabung wichtig. Bei jedem Umbetten, Aufstehen oder Umsetzen sollte dies beachtet werden. Durch die Gestaltung der Situation und dem Führen der betroffenen Körperteile macht die betreuende Person ein Lernangebot, damit der Patient seine weniger betroffene Körperseite einsetzt.

Das Selbsthilfetraining in der Bobath-Therapie setzt auf regelmäßig wiederkehrende Alltagstätigkeiten, die in den Lernprozess eingebunden werden. Durch Führung lernt der Patient, den betroffenen Körperteil mit einzubeziehen. Handlungen, die ihm vor der Erkrankung vertraut waren, werden wieder erarbeitet. Dazu gehören besonders das Ankleiden, die Körperpflege und Essen und Trinken. Das Bobath-Konzept greift auf konkrete Bewegungserfahrungen zurück und der Patient muss nicht von Grund auf Neues lernen. Bei der Körperpflege ergeben sich darüber hinaus noch Möglichkeiten, die eigene Körperwahrnehmung zu fördern.

Natürlich ist die vollständige Rehabilitation der Patienten nicht garantiert. Die Bobath-Therapie setzt die Behandlungsziele nach den realistischen Möglichkeiten der Patienten an. Sehr wichtig für den Erfolg der Bobath-Therapie ist außerdem die Motivation des Patienten und die Einbindung aller Beteiligten, einschließlich der Angehörigen.

Weiterbildungsmöglichkeiten für Ergotherapeuten

Um das Bobath-Konzept anwenden zu können, muss eine Zusatzausbildung absolviert werden, die an einem anerkannten Bobath-Ausbildungszentrum im In- oder Ausland abgeschlossen werden muss. Mit dem Zertifikat ist ein/e Ergotherapeut/in erst berechtigt, diese Behandlung auszuführen.

Zu den Kursen in der Bobath-Therapie werden Ergotherapeuten/innen mit abgeschlossener Ausbildung und einer entsprechenden 2-jährigen Berufserfahrung zugelassen. Die Stundenanzahl variiert, je nachdem ob man sich auf Kinder und Jugendliche oder Erwachsene spezialisieren möchte oder sich in allen Bereichen weiterbilden möchte. Es wird mit einem Grundkurs begonnen, auf den später aufgebaut werden kann. Praktische Anwendungen unter fachlicher Aufsicht sind ebenso Teil der Ausbildung wie die Theorie.

Weitere Informationen zur Bobath-Therapie

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Weiterführende Informationen



Autor
Jan Stanetzki
Jan Stanetzki
Jan Stanetzki hat ergotherapie.org im Februar 2010 gegründet. Er ist Inhaber von optimieren.com und technischer Ansprechpartner für diese Seiten. Artikel, die von Jan eingefügt worden sind stammen meistens von Gastautoren ohne eigenes Redaktions-Konto auf ergotherapie.org.

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