Aufmerksamkeitstraining in der Ergotherapie

AufmerksamkeitstrainingUnter dem Aufmerksamkeitstraining versteht man ein Therapiekonzept, mit dem vor allem Kinder und Jugendlich behandelt werden (es findet also vor allem in der Pädiatrie Einsatz), die unter AD(H)S leiden und sich daher oft mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen konfrontriert sehen. In diesem Artikel werden die Ziele, Behandlungsmethoden und der Behandlungsablauf des Aufmerksamkeitstraining beschrieben.

Einführung: Was hat es mit dem Aufmerksamkeitstraining auf sich?

Die Aufmerksamkeit ist eng mit der Konzentrationsfähigkeit verknüpft und die Grundvoraussetzung für ein planvolles und erfolgreiches Arbeiten. Das bedeutet, dass eine Aufgabe genau durchgelesen, analysiert und ein Plan erstellt wird, wie diese zu lösen ist. Dazu gehört auch, bei dieser Aufgabe bleiben zu können, sich die Lösungsschritte genau zu überlegen und im Nachhinein zu kontrollieren, ohne sich ablenken zu lassen.

Einigen Kindern und Jugendlichen fällt die strukturierte und planvolle Bearbeitung von Aufgaben sehr schwer. Sie leiden unter Konzentrationsstörungen und haben Probleme damit Aufgaben strukturiert zu erfassen, zu bearbeiten und die erarbeiteten Ergebnisse zu prüfen.

Dr. Lauth und Dr. Peter F. Schlottke entwickelten ein Behandlungsprogramm für Kinder mit Defiziten beim genauen und planvollen Arbeiten, welches gut in Schule und Alltag übertragen werden kann.

Störungen die mit einem Aufmerksamkeitstraining behandelt werden

Ein Aufmerksamkeitstraining wird hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S und bei Kindern und Jugendlichen mit einer leichten bis mittleren Aufmerksamkeitsschwäche, mit Konzentrations-, Wahrnehmungs- und Lernstörungen angewandt.

Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten sowie diese ausdauernd zu erhalten und selbständig zu steuern.

Ziele des Aufmerksamkeitstrainings in der Ergotherapie

Das Aufmerksamkeitstraining ist für Kinder und Jugendliche ab etwa sieben Jahren geeignet. Es dient der Förderung der Entwicklung und Selbstständigkeit. Das Aufmerksamkeitstraining in der Ergotherapie schult die Fähigkeit, genau hinzuhören, genau hinzusehen, das Wahrgenommene wiederzugeben und vermittelt das Einüben von Prüfprozessen und Regulierung des Impulses.

Außerdem wird den Betroffenen gezeigt, wie sie planvoll, rasch – beziehungsweise langsamer und genauer – arbeiten können. Den Kindern und Jugendlichen werden Lernstrategien vermittelt, die ein erfolgreicheres Arbeiten ermöglichen und die Misserfolge reduzieren. Außerdem wird der angemessene Umgang mit negativen Erfahrungen geübt.

Behandlungsablauf des Aufmerksamkeitstrainings in der Ergotherapie

Das Aufmerksamkeitstraining in der Ergotherapie gliedert sich in der Regel in ein Basistraining und, darauf aufbauend, in ein Strategietraining.

Mit dem Basistraining werden zuerst die Grundfertigkeiten zur Aufmerksamkeit eingeübt. Dazu gehört die Reaktionsverzögerung mit Hilfe einer Signal-Karte, die Übertragung der Prüfprozesse auf schulische Inhalte, die Handlungsregulierung durch Selbstinstruierung und der Fähigkeit, Ablenkungen standzuhalten.

Im Strategietraining wird vor allem die Organisation trainiert, um zum Beispiel Leichtsinnsfehler zu vermeiden. Mit der Hilfe von sogenannten Signalkarten werden Strategien zu Problemlösung erarbeitet. Der Betroffene soll überdenken, was seine Aufgabe ist, ob er ähnliches bereits kennt, er soll sich einen Plan machen und sorgfältig arbeiten. Nach der Problemlösung lernt er, kurz innezuhalten und seine Schritte nochmals zu überprüfen. Am Ende steht eine “Selbstbelohnung”. Das Kind, beziehungsweise der Jugendliche, lernt, sich selbst für den erfolgreichen Abschluss zu loben und so sein Selbstbewusstsein zu stärken.

Außerdem werden soziale Kompetenzen vermittelt, Wissenslücken werden mit Hilfe von Lernstrategien geschlossen und den Eltern wird gezeigt, wie sie das Erlernte auch zu Hause umsetzen und fördern können.

Behandlungsmethoden des Aufmerksamkeitstrainings

In den Trainingsstunden werden unter anderem spielerisch Geräusche identifiziert, Bildbeschreibungen durchgeführt und Inhalte aus vorgelesenen Geschichten wiedergegeben.

Es werden Stopp-Signal-Karten eingesetzt, die später durch verbale Selbstanweisungen ausgetauscht werden, und das Kind muss um Beispiel eine Aufgabe lösen, während der Therapeut Geräusche macht um es abzulenken.

Weiterführende Informationen



Autor
Jan Stanetzki
Jan Stanetzki
Jan Stanetzki hat ergotherapie.org im Februar 2010 gegründet. Er ist Inhaber von optimieren.com und technischer Ansprechpartner für diese Seiten. Artikel, die von Jan eingefügt worden sind stammen meistens von Gastautoren ohne eigenes Redaktions-Konto auf ergotherapie.org.
  1. Hallo,
    ich habe eine Frage welche Behandlungsansätze könnt Ihr mir bei visuellen und auditiven Wahrnehmungstörungen empfehlen?

    Liebe grüße
    Julian Bluthardt

  2. Hallo Julian, ich kann dir zwar nicht bei visuellen und auditiven Wahrnehmungsstörungen helfen aber ich habe da mal eine Frage.Bist du der Julian aus dem Robinson Club Apulia? Liebe Grüße

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