Selbstverstärkung als verhaltenssteuerndes Medium

Bei der Behandlung erwachsener Klienten aus dem psychiatrischen Formenkreis findet man häufig Patienten, die innerhalb des Behandlungssetting ihr altes Verhaltensmuster ablegen können, das im  häuslichen Umfeld aber nicht aufrecht erhalten können.

Eine Möglichkeit um neue Verhaltensansätze im Alltag zu integrieren, ist die Selbstverstärkung. Kanfer (dt.1977, S. 383) beschreibt dabei zwei Möglichkeiten:  Am häufigsten wird es so eingesetzt, dass nachdem das gewünschte Verhalten gezeigt wird, der Patient etwas für sich Angenehmes tut (z.B. ein Kinobesuch, ein neues Kleidungsstück, ein Stück Schokolade…) Es ist jedoch auch möglich, dass sich der Patient sich selbst so lange etwas untersagt, bis er gewünschtes Verhalten zeigt (z.B. ein erfreuliches Telefonat, eine Tasse Kaffee in entspannter Atmosphäre…)

Viele Ansatzpunkte findet man z.B. bei einer Angststörung. Im Vordergrund stehen zum Teil unspezifische Ängste, durch die die Betroffenen im Alltag stark eingeschränkt werden können.  Vielen gelingt es durch die Furcht z.B. nicht, das Haus zu verlassen, vernachlässigen dadurch Freunde und Verwandte. Gemeinsam mit dem Patienten können hierfür Vereinbarungen getroffen werden. Gelingt es dem Klienten z.B. das Haus für eine kurze Zeit zu verlassen, darf er sich anschließend damit belohnen, ein lang ersehntes Telefonat zu führen oder seinem Hobby nachzugehen.

Bevor eine Selbstbelohnung zu Hause integriert werden kann, sollte in jedem Fall innerhalb des Settings dafür geübt werden. Schließlich kann selbstverstärkendes Verhalten erlernt werden, entweder durch Training oder durch das Lernen am Modell (hier der Therapeut). Wichtig ist vorab das Festlegen der Belohnungsstandards. Welches Verhalten ist „lohnenswert“? Welche Belohnung ist angemessen für welchen positiven Fortschritt? Stellt der Klient zu hohe Anforderungen an sich, sollte der Therapeut ausgleichend intervenieren. Denn auch bei dieser Methode gilt der Grundsatz, erst klein anfangen und sich zunehmend steigern. Sind solche Grundsatzfragen geklärt, sollte der Patient im besten Falle selbst für Verstärkerpläne oder Verstärkerrate verantwortlich gemacht werden. Dies zeigt ihm noch deutlicher, dass er selbst sein Verhalten in der Hand hat und für seinen Erfolg durch die eigene Motivation und Kraft erzielt hat.

Mit freundlichen Grüßen I Sabrina Huschke I Dr. Frank & Partner München

Autor
Dr. Thomas A. Frank

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