Die Etymologie des Wortes „Stress“ entstammt dem Lateinischen und bedeutet wörtlich «Anspannung, Anstrengung, Belastung, Druck, Beanspruchung». Die Definitionen sind vielfältig und eine einheitliche existiert bisher nicht. In der Wissenschaft spricht man von Stress, wenn ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, bestimmte Ereignisse, Arbeiten und Lebensumstände zu bewältigen.
Im Duden wird Stress mit „den Körper belastende, angreifende, stärkere Leistungsanforderung“ definiert. In der Stressforschung wird Stress zunächst einmal in zwei Arten unterteilt, zum Einen in Eustress und zum anderen in Distress. Eustress ist hierbei die Art von Stress, die durch alle Reize ausgelöst wird die als angenehm empfunden werden (bspw. sportliche Betätigung, verliebt sein usw.). Distress dagegen wird als ein Zustand von Überlastung angesehen, der durchaus pathologische Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben kann, insbesondere dann, wenn zwischen den Stresszeiten keine Unterbrechungen stattfinden und der Organismus permanent sogenannten Stressoren ausgeliefert ist.
- Körperliche Stressoren: Hitze, Kälte, Lärm, Hunger, Verletzungen, Infektionen
- Chemische Stressoren: Drogen, Nikotin, Kontakte mit diversen Chemikalien
- Asoziale Stressoren: Konflikte / Meinungsverschiedenheiten, Verlust von Angehörigen,Isolation, Rivalität, Gruppendruck
- Seelische Stressoren: Zeitdruck, Versagensängste, Leistungsüberforderung/-unterforderung (z. B. Arbeitslosigkeit)
Die Stressoren werden zusätzlich auch nach ihrem zeitlichen Auftreten eingeteilt:
- Akute, zeitlich begrenzte Stressoren (acute, time-limited stressors): plötzlich und heftig auftretende Stressoren, wie z. B. Verlust des Arbeitsplatzes, Tod einer nahestehenden Person
- Sequenzen von Stressoren (stressor sequences): kurzzeitige Belastungen, z. B. Prüfungen
- Chronisch-intermittierende Stressoren (chronic, intermittent stressors): immer wieder auftretende Stressoren, wie z. B. tageszeitabhängige Belastungen: Lärm von einer zu Stosszeiten viel befahrenen Strasse
- Chronische Stressoren (chronic stressors): Dauerbelastungen wie Sucht (selbst / die eines Angehörigen), schwere Partnerschaftsprobleme
Der Arzt Hans Selye stellte bei seinen Forschungen auf dem Gebiet „Stress“ fest, dass der Stress in aller Regel in vier Phasen abläuft. Daraus entwickelte er ein Reiz-Reaktionsmodell. Dieses Modell zeigt auf, wie der Körper vom Stress betroffen ist und welche gesundheitlichen Störungen sich daraus entwickeln können.
- Phase, Schockphase: Der Körper nimmt die Stresssituation wahr und bereitet sich darauf vor, zu reagieren: Nahezu alle Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen werden schlagartig reduziert, um nicht unnötig Energie zu verschwenden. Die hormonellen Ausschüttungen (Adrenalin/Noradrenalin-Regelkreis) können in dieser Phase zu Denkblockaden führen, man handelt hierbei eher instinktiv, da zum Nachdenken oft keine Zeit mehr bleibt.
- Phase, Alarmreaktion: Der Organismus aktiviert sämtliche Ressourcen und Reserven. Alle für die Abwehr der Gefahr wichtigen Organe sind ausreichend mit Sauerstoff und Glukose versorgt, sogar das Blut gerinnt leichter, damit bei einer möglichen Verletzung Wunden schneller heilen.
- Phase, Widerstandsphase: Der Mensch setzt sich mit der Stresssituation auseinander. In der Bewältigung der bedrohlichen Situation, sei es nun durch aktive Beseitigung der Gefährdungen oder durch schnelle Flucht aus der Gefahrenzone, werden die bereitgestellten Energien verbraucht. In dieser Handlungs- und Abwehrphase baut der Körper die Stresshormone ab. Es folgt eine Phase der Erholung, in der die (Über-) Erregung abklingt und die Vitalfunktionen sich wieder auf ein Normalniveau einpegeln.
- Phase, Erschöpfung: Wird das Stressniveau länger aufrechterhalten, werden weiterhin Stresshormone ausgeschüttet.
Die andauernde Stresssituation kann sich zu einer stressbedingten Gesundheitsstörung entwickeln.
Gesundheitsgefährdungen durch Dauerstress
- Psychische Probleme
- Ängste
- Schlafstörungen
- Selbstzweifel
- Überforderung
- ErsatzstrategienAlkohol, Nikotin
- Drogen
- Medikamentenmissbrauch
- Übermässiges Essen
Physische Probleme
- Bluthochdruck
- Reizdarm
- Rückenbeschwerden
- Verspannungen, Spannungskopfschmerz
- Depression, Burnout, Suizidgedanken
- Abhängigkeitsverhalten und dessen Folgeschäden
- Herzinfarkt / Hirnschlag
Stressbewältigung
Für die Entwicklung wirksamer Stressbewältigungsstrategien sind die folgenden drei Fragestellungen hilfreich:
Wie kann die Anzahl der Stressoren verringert und der Alltag besser strukturiert werden (z. B. Zeitmanagement)?
Mit welchen Einstellungen und Lebensregeln kann es gelingen, auf die aus eigener Sicht unvermeidlichen Stressoren gesund oder mit nur geringer Anspannung zu reagieren (z. B. Einstellungsänderung und mentales Training, Coaching, Verhaltenstherapie)?
Wie kann man die aufgebauten Energien angemessen und gesundheitsfördernd abbauen (z. B. durch Sport und Entspannung, Progressive Muskelrelaxation (PMR))?
Massnahmen zur Stressbewältigung
Therapien sollten darauf abzielen dem stressgeplagten Menschen, die Stressmechanismen zu verdeutlichen, ihm zu helfen die Stressursache zu beheben oder zumindest zu lernen, sie erfolgreicher zu bewältigen. Eine wichtige Voraussetzung um aus Stresssituationen gesund gegenüber treten, ist eine gesundheitsbewusste Lebensführung und liegt im präventiven Bereich. Wer körperlich fit ist, bietet dem Alltagsstress weniger Angriffsmöglichkeiten. Eine gesundheitsbewusste Lebensführung bedeutet in diesem Zusammenhang:
Eine Anstauung von übermässigen Gefühlen zu verhindern und durch körperliche Aktivitäten abzubauen und durch eine bewusste Lebensführung Risikofaktoren wie Alkohol, Nikotin, Drogen nicht als Stressbewältigungstrategie einzubeziehen.
Auch eine bewusste Ernährung kann Unter-/Übergewicht und körperlichen Schäden so weit wie möglich vorbeugen. Es ist bekannt das durch die angemessene Versorgung mit den wichtigsten Nährstoffen, intrazellulärer Stress durch Über-/Unterversorgung vermieden und das Immunsystem gegenüber externen Stressoren gestärkt werden kann.
Arbeiten ohne Stress, aber wie? :
Erholung durch bewusste Entspannung, vorbeugend in den Arbeitsprozess einplanen, denn die Verbesserung des persönlichen Arbeitsverhaltens, nicht nur im Berufsleben, kann das Ausmass an Stress, mit dem wir konfrontiert werden, bereits im Entstehen erheblich reduzieren.
- Prioritäten setzen: Was ist jetzt wirklich wichtig?
- Delegieren von Aufgaben, Arbeiten aufteilen
- Rationalisierung der Arbeit und Optimierung von Arbeitsabläufen
- Selbstmotivation (Untersuchungen zeigen, dass Personen, die Freude an der Arbeit haben, kaum oder gar nicht unter Stress zu leiden haben.)





