Die psychosoziale Entwicklungsstufen nach Erikson – Teil II

Bereits in der ersten Januarwoche wurde über die Psychosoziale Entwicklungsstufen nach Erikson von Geburt bis zum Ende des zweiten Lebensjahres berichtet. Heute möchte ich einen Überblick über die weitere Entwicklung geben:

Zwischen dem 3.  und 6. Lebensjahr steht die Initiative dem Schuldgefühl gegenüber. Die Kinder lernen durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Rollen in der Familie und in den verschiedenen Insitutionen, was erlaubt ist und welches Verhalten negativ interpretiert wird. Es bildet ein eigenes Gewissen und ein Schuldempfinden aus. Hierdurch entwickelt sich ein initiatives Verhalten, ausgerichtet nachdem, was das Gewissen für richtig oder falsch hält. Die Eltern können diese Initiative bestärken (natürlich stets auch mit angemessenen Regel- und Strukturvorgaben) Es wird sein Selbstvertrauen bestärkt und es lernt, sich zunehmend auf sein Gefühl zu verlassen. Im Gegenzug kann ein starkes Einschränken des Kindes zu einem Schuldgefühl führen. Sein geringes Selbstvertrauen sagt, dass es nicht Initiativ handeln kann, dass es möglicherweise sogar unerwünscht oder „fehl am Platz“ auf der Welt ist.

Ab dem sechsten Lebensjahr bis zur Pubertät durchlebt das Kind eine Krise zwischen dem eigenen Kompetenzgefühl und einem Minderwertigkeitsgefühl. Der Heranwachsende erkennt die Wichtigkeit von „Arbeit“ und muss nun das Gleichgewicht zwischen seinem Spieltrieb und der Entwicklung schulrelevanter Kompetenzen finden. Durch sportliche Aktivitäten baut es motorische Fähigkeiten aus. Durch das vermehrte Zusammensein mit anderen Heranwachsenden erlernt es den Umgang mit diesen und beübt seine sozialen Kompetenzen. Die ersten Hobbys dienen einer beharrlichen Verfolgung der eigenen Interessengebiete und führen auch hierdurch wieder zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Bei häufigen Misserfolgserlebnissen kann ein Minderwertigkeitsgefühl entstehen. Bei erfolgreicher Bewältigung entwickelt das Kind ein Vertrauen auf seinen sozialen und intellektuellen Fähigkeiten. Wird der Konflikt nicht bewältigt können Versagensgefühle und ein mangelndes Selbstvertrauen ausgebildet werden.

In der Adoleszenz bis zum frühen Erwachsenenalter (bis ca. 18. Lebensjahr) steht die Identität gegenüber der Identitätsdiffusion. Während des Strebens nach einem eigenen Wertesystem suchen sich die Jugendlichen einen festen Freundeskreis. Bereits hierdurch erfahren Sei viel über ihre psychosoziale Identität. Zu bewältigen ist zum einen das Akzeptieren der körperlichen Veränderungen, der zunehmenden Reife und der eigenen Sexualität. Zum anderen erfolgt eine zunehmende Ablösung von den Eltern und das damit verbundene Finden neuer Rollen. Auch die berufliche Orientierung tritt immer mehr in den Vordergrund. Gelingen diese Aufgaben, bewältigt der Jugendliche diese Phase mit Selbstvertrauen in seine eigene Person. Er kann sich selbst als ein eigenständiges Individuum definieren und fühlt sich in seiner gefunden Rolle wohl. Bei Misslingen der Krise wird von den jungen Erwachsenen häufig ein Gefühl der Unsicherheit beschrieben. Sie erleben ihr selbst als bruchstückhaft und können sich nur schwer gegenüber anderen abgrenzen, bzw. definieren. Das Selbstvertrauen ist häufig schwankend.

Natürlich gibt es in allen diesen Phasen viele Variationen. Auch ist es nicht immer gesagt, dass bei einem Nichtbewältigen einer Aufgabe eine Störung in einer späteren Entwicklungsstufe auftritt.

Mit freundlichen Grüßen | Sabrina Huschke | Dr. Frank & Partner München

Autor
Dr. Thomas A. Frank

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