Das Gruppenmodell nach Schindler in der Ergotherapie

Unabhängig vom Altersdurchschnitt einer Gruppe durchläuft ein Gruppengefüge den dynamischen Prozess der Gruppenbildung. Während dieser Phase, welcher häufig sehr unterschiedlich lange dauert, beginnt ein jedes Gruppenmitglied, bewusst oder unbewusst, seinen Position innerhalb dieser einzunehmen und zu definieren.

Schindler beschreibt innerhalb einer Gruppe folgende Positionen:

Alpha-Position: Das Alpha-Mitglied ist der dominierende Part einer Gruppe. Er gibt zumeist an wie gehandelt wird und übernimmt häufig die Verantwortung für das Geschehnis. Nach ihm wird sich innerhalb der Gruppe vorrangig orientiert.

Beta-Position: Das Beta-Mitglied ist häufig emotional weniger am Gruppengeschehnis beteiligt und nimmt die Rolle des Fachmanns ein. Er berät bei Unstimmigkeiten, zeigt ein kreatives Problemlösungsverhalten und findet besonders durch sein hohes Engagement in der Gruppe Anerkennung. Diese Position muss nicht unbedingt besetzt sein.

Gamma-Position: Das Gamma-Mitglied beteiligt sich eher passiv am Gruppengeschehen. Es nimmt eine unterstützende Rolle gegenüber dem Alpha-Mitglied ein und versucht sich zeitweise mit ihm zu identifizieren. Hierdurch verschwindet er in der Gruppe, anstatt als individuelles Teammitglied wahrgenommen zu werden. Verantwortung wird von ihm nur ungern übernommen.

Omega-Position: Das Omega-Mitglied ist innerhalb des Gruppengefüges der Aussenseiter. Er wird als sogenannter „Sündenbock“ deklariert. Hierdurch strebt er häufig gegen die Aktionen der Gruppe und vertritt zumeist die Gegenseite. Aus seiner  Position der Schwäche heraus arbeitet er sogar zeitweise gegen die Gruppe. Er steht im Konflikt mit dem Alpha-Mitglied und wird von den Omega-Mitgliedern abgelehnt.

In einer Gruppe ist es notwendig, dass ein jeder seine Rolle findet. Für das Gefüge ist es ebenso von Vorteil, wenn verschiedene Rollen mit unterschiedlichen Charaktere besetzt sind. So kann z.B. durch die Besetzung der Omega-Position mit einer sehr starken Persönlichkeit konstruktive Diskussionen entstehen und zu mehr Vielfalt und Kreativität in der Gruppe führen.

Innerhalb des ergotherapeutischen Settings ist es wichtig, bereits während des Bildungsprozesses zu erkennen, welcher Klient welche Position anstrebt oder unbewusst einnimmt. Umso schneller eine Tendenz des einzelnen erkannt wird, kann z.B. bei Unsicherheiten in der Identifikationsfindung von Jugendlichen, diese effektiver unterstützt werden.

Auch reagiert jedes Gruppenmitglied unterschiedlich auf Lob oder Kritik. Während das Gamma-Mitglied Anerkennung für seine Beiträge meist bereitwillig annimmt, gelingt es dem Beta-Mitglied nur schwer Lob anzunehmen (schliesslich führt er Erfolge zuerst auf die Leistung des Alpha-Mitgliedes zurück).

Ist einmal eine Position eingenommen, bedeutet dies nicht, dass diese immer beibehalten werden muss. Selbst in stabilen Gruppen, oder auch bei solchen, in denen neue Teammitglied beitreten, kann es zu einem Positionstausch kommen.

Mit freundlichen Grüßen I Sabrina Huschke I Dr. Frank & Partner München

Freitag, Dezember 2, 2011
Autor
Dr. Thomas A. Frank
  1. Das beschriebene Modell ist auch unter dem Begriff Rangdynamisches Positionsmodell bekannt. Sonja Maier beschreibt dies in ihrem Buch Gruppendynamik und seine Anwendung in der Schule sehr eindrücklich. Kap. 4.2 Gruppenstrukturen, S.14,ff.

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