Für Kinder ist das Spielen sowohl eine sinnvolle Tätigkeit (zur Entwicklung spezifischer Fähigkeiten) als auch ein Ausdrucksmedium, um Erlebtes zu verarbeiten oder gelerntes zu festigen (z.B. bei Rollenspielen mit Stofftieren/Puppen etc.). In jedem Falle ist es positiv besetzt. Das Spiel kann somit gut genutzt werden, möchten Eltern mit ihren Kindern schnell in einen positiven Kontakt kommen.
Das Spieltraining als solches kann angewendet werden, wenn die Eltern-Kind-Bindung gefestigt werden soll, um das Einfühlungsvermögen zu verbessern und eine liebevolle Zuwendung zum Kind zu fördern. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Spieltraining anzuwenden, eine individuell angepasstes Setting ist natürlich stets Voraussetzung. Als Beispiel möchte ich hier jedoch einen Ablauf vorgeben:
Bevor das Spieltraining beginnt, sollten die Eltern darüber informiert werden, welche Wichtigkeit das Spiel innehat, welche Fähigkeiten mit dem Spiel gefördert werden können und wie hierdurch Vertrauen aufgebaut wird, Zuwendung vermittelt und die Bindung gestärkt wird.
Als nächstes sollte eine freie Beobachtungssituation geschaffen werden, in der die Eltern oder das Elternteil sich alleine dem Kind zuwenden soll. Hierfür darf sich das Kind ein Spiel aussuchen oder ein Spiel von zu Hause mitbringen. Sinnvoll ist, die komplette Sequenz per Video aufzunehmen, um eine anschließende, objektive Analyse zu ermöglichen.
Je nach Verlauf der ersten Sitzung, können mit den Eltern bestimmte Ziele erarbeitet und in den nächsten Sequenzen verfolgt werden. Wichtig für das Spiel ist das Aufstellen klarer Regeln, welche sowohl für Eltern, als auch für die Kindern gelten. Diese sollten bestmöglich verschriftlicht werden (z.B. Blickkontakt halten, aussprechen lassen, positive Rückmeldung geben, geduldig sein).
In den nächsten Therapiesequenzen dient der Therapeut zudem als positives Modell. Zeigen Sie den Eltern, wie mit eigenem positiven Verhalten, eine Wechselwirkung mit dem Verhalten des Kindes erzeugt wird, bzw. wie die gesetzten Ziele verfolgt werden können.
Nun sollen die Eltern die erlebten Erfahrungen im häuslichen Umfeld umsetzen. Geben Sie hierfür den Eltern eine kurze Auflistung mit, welche Rahmenbedingungen für das Spiel zu Hause geschaffen werden sollen. Döpfner (1997) notierte eine Anleitung für entwicklungsangemessenes Spielverhalten:
- Gemeinsames Sammeln von Spielideen für die Spaß- und Spielzeit
- Setzen Sie sich einen Zeitpunkt, an dem die Spielzeit stattfinden soll. In dieser Zeit soll nichts anderes gemacht oder geplant werden.
- Das Kind bestimmt, was gespielt wird.
- Mit Entspanntheit an die Situation herangehen. Beobachten Sie erst, was das Kind spielt, versuchen Sie anschließend, mit einzusteigen.
- Beschreiben und kommentieren Sie ab und zu laut, was Ihr Kind macht.
- Sagen Sie Ihrem Kind nicht, was es tun soll.
- Loben Sie Ihr Kind gelegentlich oder sagen Sie ihm etwas Schönes.
- Notieren Sie kurz Ihre Eindrücke nach dem gemeinsamen Spiel.
Es ist von großem Vorteil, wenn die Möglichkeit besteht, das gemeinsame Spiel auch im häuslichen Umfeld mit Videosetting zu unterstützen. In jedem Fall sollen die notierten Eindrücke der Eltern gemeinsam mit dem Therapeuten ausgewertet werden und nach der Zielverfolgung analysiert werden.
Ziel ist es in jedem Fall, ein regelmäßiges, positives Spiel zu Hause einzuführen. In den Therapiesitzungen soll dies unterstützt werden. Wie diese Unterstützung aussieht, ist abhängig von den einzelnen Bezugspersonen. Eine Kombination aus regelmäßigen Elterngesprächen, Analyse der Videotapes bzw. der Notizen der Eltern und ein gemeinsames Spiel mit Eltern und Kind im geschützten Rahmen des therapeutischen Settings haben sich bewährt.
Mit freundlichen Grüßen I Sabrina Huschke I Dr. Frank & Partner München





