Seit meinen Autounfall bin ich ein anderer Mensch geworden. Ich liege abends oft wach im Bett und kann nicht einschlafen. Habe ich dann endlich Schlaf gefunden, so werde ich von wirren Alpträumen geplagt und schrecke oftmals nassgeschwitzt auf. Wenn ich auf die Strasse gehe, so fühle ich mich verunsichert und habe Angst, dass mir etwas Schlimmes zustossen könnte. Auch meine Familie nimmt eine Veränderung an mit wahr. Sie sagen, dass ich nicht mehr so fröhlich und spontan bin wie früher. Ich würde mir so viele schwere Gedanken über meine Zukunft machen.
Dies ist nur ein Beispiel für eine sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), hervorgerufen durch ein direkt erlebtes Trauma in Form eines Autounfalls. Die PTBS entsteht als eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Erlebnis oder eine Situation kürzerer oder auch längerer Dauer, die sich durch aussergewöhnliche Bedrohung der eigenen Person oder auch anderen Menschen auszeichnet. Hervorgerufen wird ein Gefühl der tiefen Hilflosigkeit und Verzweiflung. Traumatische Erlebnisse gibt es in den unterschiedlichsten Situationen und jeder Mensch reagiert anders darauf. Dazu zähen z.B. :
- Kriegserfahrungen,
- Gewalterfahrungen,
- Opfer sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt,
- Betroffene von Entführungen,
- von Naturkatastrophen betroffene,
- von schwerer Krankheit betroffene,
- Unfallopfer oder Menschen die einen Unfall als Helfer miterlebten,
- Mobbing,
- Tod eines nahestehenden Menschen
- Flucht
Die PTBS ist kein Ausdruck psychischer Labilität. Es kann jeden noch so gesunden Menschen treffen. Es handelt sich vielmehr um einen Versuch des Organismus, eine bedrohliche Situation zu überstehen. Bei den Betroffenen kommt es durch die erlebte Situation zu einer Erschütterung des Weltbildes.
Die Symptome einer PTBS können sehr weitreichend sein:
- Flashbacks
- Alpträume
- Emotionale Stumpfheit und Teilnahmslosigkeit
- Freudlosigkeit
- Gleichgültigkeit
- Schlafstörungen
- Angst und Depressionen
- Vermeiden von Gedanken, die mit dem Trauma zu tun haben,
- Sozialer Rückzug
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Erhöhte Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit
Die Symptome dauern mehrere Monate, bei nicht Behandlung bis zu mehrere Jahren oder das restliche Leben an. Wenn der Betroffene sich nicht in eine fachliche therapeutische Behandlung begibt, so kann es langfristig zu existenziellen Problemen im sozialen, beruflichen, alltäglichen und gesundheitlichen Bereich kommen.
Je nach dem in welcher Phase der Traumaverarbeitung sich der Betroffene befindet, wird in der Ergotherapie nach einem anderen Ansatz gearbeitet. Grundsätzlich ist es wichtig, das Vertrauen des Betroffenen zu gewinnen, ihn so gut wie möglich sozial und im alltäglichen zu unterstützen und zu stabilisieren. Ausserdem sollten diejenigen Aktivitäten angeregt werden, die es dem Betroffenen ermöglichen, Erfahrungen mit sich selbst zu sammeln und Ressourcen neu zu entdecken.
Mit freundlichen Grüßen | Carola Rehm | Dr. Frank & Partner Ergotherapeuten Zürich





